Warum sollten sich Freiberufler zwingend selbst und intensiv mit ihren Finanzen beschäftigen?

Finanzen sind eine trockene und demotivierende Angelegenheit? Nicht dann, wenn es um die eigenen geht und wenn man sie versteht. Insbesondere Selbstständige und Freiberufler, die sich oft nur stiefmütterlich mit ihren Finanzen auseinandersetzen, sollten das verinnerlichen.

Warum? Nur dann, wenn man sich intensiv mit den eigenen Finanzen beschäftigt, kann man die absolute Kontrolle über sein Geld und seinen Zahlungsverkehr erlangen. Diese Kontrolle ist das wahrscheinlich wichtigste Kriterium für eine erfolgreiche Monatsbilanz und eine langfristig sichere Finanzplanung.

Es geht um weitaus mehr, als nur möglichst hohe Rechnungen zu schreiben und davon Steuern sowie Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Es geht darum, mit entsprechendem Hintergrundwissen auf ausgeprägte Rücklagen sowie eine nachhaltige Vermögensbildung und Vorsorge hinzuarbeiten.

Drei Gründe, warum Selbstständige und Freiberufler ein umfangreiches Finanzverständnis brauchen

  • Insbesondere junge Leute müssen privat fürs Alter vorsorgen
  • Es braucht ein gewisses Vermögen für größere Wünsche im Leben
  • Bei Umsatzeinbußen ist es gut, einen Notgroschen zu haben

Gerade Selbstständige und Freiberufler sind in der glücklichen Position, finanziell durch ein höheres Jahresnettoeinkommen weitaus mehr erreichen zu können als die meisten anderen. Das Problem ist aber, dass sich nur die wenigsten mit Finanzthemen auskennen. Solange im deutschen Bildungssystem keine Finanzbildung integriert wird, Bankberatungen mehr vertriebsorientiert als weiterhelfend sind und zuhause nicht über Geld gesprochen wird, ändert sich daran auch nichts. Umso wichtiger ist es daher, selbst und eigenverantwortlich vorzugehen.

Auch eine noch so gute Ausgangsposition mindert die Gefahrenlage nämlich nicht. Deutschlands Rentensystem steht durch den demographischen Wandel vor dem Kollaps. Junge Leute müssen fürchten, dass ihnen zum Renteneintritt nicht einmal die Hälfte des letzten Einkommens bleibt. Also besteht Handlungsbedarf in Form einer privaten Altersvorsorge. Dafür braucht es wiederum freies Kapital in der Monatsbilanz, das erst einmal verlässlich vorhanden sein muss. Möchte man sich im Laufe des Lebens zudem größere Wünsche erfüllen, dann geht das nur mit einem entsprechend angesparten Vermögen oder mit einem Kredit. Kredite machen abhängig und schaden der Bonität. Auch haben Selbstständige und Freiberufler erwiesenermaßen Probleme bei der Kreditbewilligung. Rücklagen lassen sich auf der anderen Seite aufgrund der konsequenten Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank nur erschwert oder mit Risikobereitschaft aufbauen. Dazu braucht es noch einen Notgroschen für kurzfristigen Liquiditätsbedarf und vielleicht für den nächsten Urlaub.

Fakt ist: Solange man sich mit all diesen Finanzthemen nicht beschäftigt und eine Schraube nach der anderen nachhaltig festzieht, ist das gesamte Konstrukt äußerst instabil. Und mit diesem Konstrukt ist das zukünftige Leben gemeint.

Was genau bedeutet das, sich mit den Finanzen zu beschäftigen?

Der Beitrag soll selbstverständlich keine Angst und Panik schüren. Auch jemand, der heute nicht für ein besseres Leben vorsorgt, wird morgen irgendwie klarkommen – im übertragenen Sinn. Doch jemand, der sich der Themen intensiv annimmt, wird es besser und leichter haben. Deshalb soll die Frage geklärt werden, was man denn als frischer Freiberufler tatsächlich tun kann, um finanzfit zu werden.

Da gibt es einiges:

  • Buchhaltung selbst machen, anstelle sie an andere abzugeben
  • Geschäftskonto einrichten, sowie mehrere Konten für das Privatvermögen, die Fixkosten, die Steuern und zum monatlichen Sparen
  • Monatsabschluss in die Buchhaltung integrieren, in dem man alle finanziellen Details aufschlüsselt und die verschiedenen Geldbeträge auf die dafür vorgesehenen Konten überweist
  • Steuererklärung und Umsatzsteuervoranmeldungen selbst erledigen, um ein Gefühl für die verschiedenen Steuerabgaben zu entwickeln
  • Persönliche Fixkosten möglichst weit reduzieren (beispielsweise für Strom, Gas, Versicherungen oder Kontoführungsgebühren)
  • Einen Blick für sinnvolle Vorsorgeprodukte entwickeln, um nicht auf vermeintlich positive Vertriebsprodukte wie Rürup reinzufallen
  • Jeden Monat 10% des verdienten Einkommens sofort zurücklegen
  • Notgroschen in Höhe eines dreifachen Monatseinkommens ansparen und für unvorhergesehene Ereignisse zurückhalten
  • Sich mit Aktien und Fonds, sowie den dahinterstehenden Anlagestrategien auseinandersetzen (dabei handelt es sich um die aktuell einzige wirklich lukrative Geldanlage zur Vermögensbildung), um dann zu investieren

Grundsätzlich:

  • Details hinterfragen und verstehen, anstelle sie einfach hinzunehmen
  • Recherchieren und mit anderen Leuten über Geld reden, auch wenn es immer wieder heißt, dass man über Geld nicht spricht [Artikel hier weiterlesen, Autor: Eike Kewitz]

Quelle: Beitrag zitiert von t3n.de – Originalbeitrag hier lesen

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