Scheinselbstständigkeit birgt Risiken vor allem für Geringqualifizierte und Berufseinsteiger

Der Anteil der Scheinselbstständigen im Haupterwerb beläuft sich laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf 0,7 bis 1,3 Prozent aller Erwerbstätigen. Sie verdienen im Schnitt deutlich weniger als abhängig und andere selbstständig Beschäftigte.

Das Risiko trifft nach einer Studie des Instituts insbesondere Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose und Berufseinsteiger. Scheinselbständigkeit deute im Allgemeinen auf Abgrenzungsprobleme zwischen abhängiger und selbstständiger Beschäftigung hin, schreiben die IAB-Forscher. Diese könnten mit neuen, digitalen Arbeitsformen noch größer werden. Für seine Analysen hat das IAB zwei Modelle zur Abgrenzung von Scheinselbstständigkeit herangezogen. Auf Basis der geltenden Rechtsprechung beläuft sich die Zahl auf rund 235.000 im Hauptberuf scheinselbstständig Beschäftigte. Im Alternativmodell sind es 436.000. Seit 1995 ist die absolute Zahl nur unwesentlich gestiegen.

Für die Betroffenen ist die Situation schwierig: “Die Studie zeigt, dass sich gerade die schwächeren Arbeitsmarktteilnehmer mit höherer Wahrscheinlichkeit in scheinselbständigen Erwerbspositionen befinden”, heißt es in dem Bericht. So seien jüngere Erwerbstätige unter 25 Jahren oder Erwerbseinsteiger mit höherer Wahrscheinlichkeit scheinselbständig als ältere Erwerbstätige oder solche mit längerer Erwerbserfahrung. Das Risiko einer scheinselbständigen Beschäftigung erhöhe sich überdies mit zunehmender Dauer der Erwerbslosigkeit. Außerdem sei es für Geringqualifizierte besonders ausgeprägt.

Selbstständig und abhängig Haupterwerbstätige verdienen im Schnitt jeweils rund 20 Prozent mehr als Scheinselbständige, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Problematisch sei in diesem Zusammenhang insbesondere, dass Personen mit ungünstigen Arbeitsmarktvoraussetzungen ohnehin schlechtere Verdienstchancen haben, auch wenn sie nicht scheinselbständig sind. Sie weisen aber zugleich ein höheres Risiko auf, scheinselbständig beschäftigt zu sein. Treffen beide Risiken zusammen, fällt der Einkommensrückstand besonders gravierend aus.

Beitrag zitiert aus Personalpraxis24.de – Hier geht’s zum Originalartikel

Hiscox